Marie Thérèse Charlotte d'Angouleme (1778 - 1851)
geboren in Versailles als Tochter des französischen Königs Ludwig XVI und dessen Ehefrau Marie Antoinette. Sie wird auch Madame
Royale genannt. Marie Thérèse gilt als schüchtern und liebevoll. Sie war die langersehnte älteste Tochter und bekommt
bereits nach ihrer Geburt einen eigenen Hofstaat.
Als
am 14.Juli 1789 die Bastille gestürmt wurde muss die 11-jährige Marie Thérèse
und die königliche Familie Versailles verlassen und wird in die Tuillerien verlegt. 1791, nach einem missglückten Fluchtversuch,
wird der König in Einzelhaft genommen,Marie Thérèse wird von ihrem Bruder, dem 6-jährigen Dauphin und ihrer Mutter getrennt.
Bis zu ihrem 17. Lebensjahr verbringt sie dort allein und vollkommen isoliert.
Erst 1795 wird sie freigelassen, über zwei Jahre nach
der Hinrichtung ihrer Eltern. Psychisch durch die lange Haft und der Verlust ihrer gesamten Familie schwer belastet findet sie Zuflucht am Wiener
Hof.
Sie heiratet am 10.06.1799 ihren Cousin Ludwig
von Angouleme, den Neffen Ludwig XVIII. Dieser will verhindernl, dass ihr beträchtliches
ausländisches Vermögen nach Österreich gelangt. Nach Stationen in Warschau und Lettland
siedeln 1808 die Bourbonen nach England um.
Hier genießt Marie Thérèse die ländliche Abgeschiedenheit
auf Schloß Hartwell und beschäftigt sich mit dem Garten und angeblich auch mit Rosen.
Nachdem Napoleon Bonaparte 1814 auf den französischen Thron verzichtet,
wird ihr Onkel als König Ludwig XVIII eingesetzt. Marie Thérèse kommt zurück nach Paris
. Die schrecklichen Erinnerungen machen sie schweigsam und bedrückt. Als dann Napoleon von Elba zurückkehrt,
rekrutiert sie Freiwillige, doch
wieder muss sie ins Exil, um nach Napoleons endgültiger
Niederlage in Waterloo zurückzukommen.
1824 stirbt Ludwig XVIII und ihr Schwiegervater Karl X besteigt den Thron,Marie Thérèse wird Kronprinzessin von Frankreich.
Nach der Julirevolution 1830 verzichten die Bourbonen endgültig auf den Thron. Das bedeutet wieder ins Exil nach England.
Der Herzog von Orleans wird als Bürgerkönig Louis-Philippe von der französischen Regierung eingesetzt.
1844, nach Aufenthalten in Prag und Budweis, kommt Marie Thérèse, zusammen mit ihrem Neffen Henri
Comte de Chambord dessen
Vormundschaft sie übernommen hatte, nach Österreich. Kurz vorher ist ihr Mann gestorben. Hier in Schloß Frohsdorf lebt
sie zurückgezogen
und beschäftigt sich mit Gartenarbeit und Stickereien.
Sie stirbt am 19.Oktober 1851 mit fast 73 Jahren an einer Lungenentzündung.
Laut einer Vertauschungsthese über die Herzogin von Angouleme wurde diese nach der Freilassung aufgrund ihres physischen und
psychischen Zustandes und mit ihrer Zustimmung mit ihrer Halbschwester Ernestine Lambriquet vertauscht. Diese nahm fortan ihren Platz
ein, während die echte Marie Thérèse als 'Dunkelgräfin' bis zu ihrem Tod in Hildburghausen versteckt wurde. Durch die Vertauschung
sollte ihr Anspruch auf den französischen Thron und ihr ausländisches Vermögen gesichert werden. Für diese Theorie gibt
es zahlreiche Indizien jedoch bislang keine Beweise.